Kamera laden: Ein Ratgeber für jede Situation.

Auf Reisen ist ein gemeinsames Lade-Set für Kamera, Laptop und Smartphone praktisch, damit Sie nicht für jedes Gerät einen eigenen Ladeadapter mitnehmen müssen. Aber eignet sich der Ladeadapter des Laptops auch für die Kamera, reicht die Powerbank für die geplante Route und können Sie während des Anschlusses weiter fotografieren? Die Antworten hängen von Ihrem Modell und der gewählten Stromversorgung ab. Deshalb sollten Sie diese Fragen vor der Abreise klären.
Ein USB-C-Anschluss allein garantiert jedoch keine Ladefunktion. Er kann ausschließlich zur Datenübertragung dienen, und die Anforderungen an die Stromquelle hängen vom Kameramodell, dem Akku und dem Betriebsmodus ab.
Prüfen Sie zuerst die Möglichkeiten Ihrer Kamera
Beginnen Sie mit der Anleitung Ihres Modells. Darin sollten Sie Antworten auf drei getrennte Fragen finden:
Lässt sich der eingesetzte Akku über USB-C laden?
Lässt sich die eingeschaltete Kamera über eine externe Stromquelle versorgen?
Wird der Akku während der Aufnahme geladen?
Das sind unterschiedliche Funktionen. Wenn Sie beispielsweise die Sony a6700 einschalten, wechselt die Verbindung zur externen Stromversorgung, der Akku wird dabei aber nicht geladen. Die PD-Stromquelle muss mindestens 18W mit einem Ausgangsprofil von 9V2A liefern. Außerdem ist ein USB-C - USB-C-Ladekabel erforderlich.
Prüfen Sie auch die Kompatibilität des Akkus und die Einstellung für die externe USB-Stromversorgung. Ein angeschlossenes Kabel ermöglicht nicht immer den Betrieb ohne eingesetzten Akku. Ist dieser stark entladen, kann die Kamera zunächst verlangen, dass Sie ihn aufladen.
Welche Leistung der Ladeadapter für Ihre Kamera von Canon, Sony, Nikon, Fujifilm oder Panasonic haben müssen, erfahren Sie im USB Power Delivery (USB PD)-Nachschlagewerk.
Leistung und Ausgangsspannung sind gleichermaßen wichtig
Die Aufschrift „65W“ auf einem Ladeadapter bestätigt für sich allein noch nicht die Kompatibilität mit der Kamera. Prüfen Sie, welche Kombinationen aus Spannung und Stromstärke am vorgesehenen USB-C-Anschluss verfügbar sind.
Beispielsweise entspricht 9V3A einer Leistung von bis zu 27W. Das beschreibt die Möglichkeiten der Stromquelle; der tatsächliche Verbrauch der Kamera hängt von ihrem Betrieb ab. Für die Nikon Z9 gelten andere Anforderungen: Zum Laden des Akkus in der Kamera nennt der Hersteller eine PD-Stromquelle mit 45W, 20V2.25A oder mehr. Die Werte finden Sie in der Nikon-Anleitung.
Für die Canon EOS R1 und EOS R5 Mark II wird eine Stromquelle mit mindestens 45W Ausgangsleistung empfohlen.
Ein kompatibler Ladeadapter mit höherer Leistung zwingt die Kamera nicht dazu, die gesamte verfügbare Leistung aufzunehmen. Bei USB PD handeln die Geräte die Stromversorgung aus, und jedes erhält die benötigte Leistung. Dieses Prinzip beschreibt USB-IF.
Zu Hause und im Hotel
Unterwegs sind Ladeadapter mit mehreren USB-C-Anschlüssen praktisch. Damit können Sie beispielsweise über Nacht neben der Kamera auch Laptop und Smartphone laden und die Powerbank wieder aufladen.
Wenn Sie mehrere Geräte gleichzeitig laden müssen, ist es sinnvoll, einen Ladeadapter mit 100-160W mitzunehmen. Prüfen Sie vor dem Kauf die Leistungsverteilung zwischen den Anschlüssen: Die Gesamtleistung des Geräts und die Leistung eines einzelnen Anschlusses bei mehreren verbundenen Geräten unterscheiden sich. Für jedes Gerät muss genügend Leistung zum Laden verfügbar sein.
Eine Powerbank für Ausflüge und Aufnahmen unterwegs
Mit einer Powerbank können Sie die Kamera in einer Pause aufladen oder auf dem Stativ mit Strom versorgen, sofern Ihr Modell diesen Betriebsmodus unterstützt. Denken Sie an ein ausreichend langes Kabel zum Anschließen der Powerbank. Das ist auf langen Routen, bei Zeitrafferaufnahmen oder beim Filmen fernab einer Steckdose hilfreich.
Berücksichtigen Sie bei der Auswahl einer Powerbank zwei unabhängige Eigenschaften: die USB-C-Ausgangsprofile und den Energievorrat. Erstere bestimmen die Kompatibilität mit der Kamera, Letztere beeinflusst, wie viele Geräte Sie wie lange versorgen können. Zum Vergleichen des Energievorrats ist die Angabe in Wh (Wattstunden) hilfreicher. Aus der Leistung des empfohlenen Ladeadapters lässt sich die Laufzeit der Kamera nicht berechnen: Eine Stromquelle mit 45W bedeutet keinen dauerhaften Verbrauch von 45W. Die Powerbank-Kapazität in mAh (beispielsweise 10000mAh) kann verwirrend sein, da sie auf einer Spannung von 3.7V basiert. Die Kapazität in Wh steht normalerweise auf der Powerbank. Als grobe Schätzung können Sie auch davon ausgehen, dass 10000mAh etwa 37Wh entsprechen. Beachten Sie, dass Ihnen von diesen 37Wh nicht die gesamte Energie zur Verfügung steht, sondern nur ungefähr 80%: Die übrigen 20% entfallen auf unvermeidliche Verluste bei der Spannungswandlung und Stromübertragung.
Um abzuschätzen, wie lange Ihre Kamera mit dieser Stromversorgung arbeiten kann, müssen Sie ihre durchschnittliche Leistungsaufnahme kennen. Diesen Wert finden Sie entweder in der Dokumentation oder ermitteln ihn mit einem Kabel mit Display beziehungsweise einer Powerbank mit Display, die beim Laden die Leistung in Watt anzeigen. Beobachten Sie die Leistungsaufnahme (in W), wenn der Kamera-Akku vollständig geladen und die Kamera eingeschaltet und in Betrieb ist. So verfälscht die Energie zum Laden des Akkus nicht die Messung des Verbrauchs der Kamera selbst.
Geeignete getestete Powerbanks finden Sie im Powerbank-Katalog von TinkerVault.
Laden im Auto
Häufig müssen Sie zwischen Aufnahmeorten Kamera, Smartphone oder Laptop nachladen, während Sie die Powerbank lieber schonen möchten. In diesem Fall ist ein Auto-Ladeadapter mit PD oder ein eingebauter USB-C-Anschluss im Fahrzeug besonders nützlich.
Der serienmäßige USB-Anschluss des Autos kann allerdings für Multimedia vorgesehen sein, für Ihre Kamera zu wenig Leistung liefern oder das PD-Ladeprotokoll überhaupt nicht unterstützen.
Legen Sie deshalb am besten schon vorab einen leistungsstarken Auto-Ladeadapter mit PD für die Zigarettenanzünder-Steckdose und ein Kabel ins Auto.
Auf der Seite für Auto-Ladeadapter mit PD können Sie eine Stromquelle für die Kamera und weitere Geräte auswählen. Es gibt Modelle, die dauerhaft mit bis zu 80W laden können, ohne an Stabilität zu verlieren.
Camping: Tragbare Powerstations und ein Solarmodul
Auf einer mehrtägigen Reise benötigen Sie einen Energievorrat für die gesamte Ausrüstung: Kamera, Ersatzakkus, Laptop und Smartphone. Hier kann eine tragbare Powerstation mit USB-C PD helfen, also im Grunde eine mehrere Kilogramm schwere Powerbank mit Wechselrichter, beispielsweise die Anker SOLIX C300 DC (288Wh) oder die Anker SOLIX C1000 (1056Wh). Auch die Anschaffung eines faltbaren Solarmoduls kann sinnvoll sein, beispielsweise des Renogy E.FLEX 200W mit integriertem 45W-Ladeadapter, mit dem Sie Ihre tragbare Powerstation und andere Geräte fernab einer Steckdose nachladen können.
Um Ihren Energiebedarf und die erforderliche Kapazität einer tragbaren Powerstation abzuschätzen, müssen Sie die durchschnittliche Leistungsaufnahme und die Betriebsdauer der Geräte miteinander abgleichen. Berücksichtigen Sie außerdem, wie lange Sie ohne die übliche Stromversorgung auskommen müssen.
Wenn Sie regelmäßig länger als einen Tag campen und möglicherweise keine Steckdose erreichen können, ist es zuverlässiger, sich von Anfang an nach einer tragbaren Powerstation mit höherer Kapazität umzusehen.
Lassen Sie sich bei einem Solarmodul nicht von der scheinbar hohen Leistung täuschen. Diese Leistung gilt für ideale Bedingungen während einiger Stunden am Tag. Sie hängt von sehr hellem Sonnenschein, der idealen Neigung und Ausrichtung, einem vollkommen sauberen Modul sowie Ihrem Standort auf der Erde ab. In der Praxis fällt die Leistung geringer aus. Wolken, der Sonnenstand im Tagesverlauf und Schatten auf dem Modul beeinflussen die erzeugte Energiemenge deutlich.
Auch das Kabel beeinflusst das Ergebnis
Zum Laden der Kamera über PD benötigen Sie ein USB-C - USB-C-Ladekabel.
Achten Sie bei der Auswahl auf hochwertige Kabel mit niedrigem Innenwiderstand. Dadurch geht beim Laden weniger Energie verloren, und der unvermeidliche Spannungsabfall bleibt unkritisch, sodass der Ladevorgang stabil bleibt. Unter sonst gleichen Bedingungen sollten Sie Kabel mit der Kennzeichnung 100W / 240W bevorzugen: Ihr Innenwiderstand ist niedriger als bei unmarkierten Kabeln für 60W.
Hier finden Sie USB-Kabel, die auf TinkerVault getestet wurden. Wählen Sie für Aufnahmen vom Stativ eine Länge, mit der sich die Stromquelle bequem anschließen lässt, ohne eine große Kabelschlaufe neben Ihren Füßen zu bilden. Powerbank oder Powerstation müssen sicher liegen. Wenn Sie einen Kamera-Cage mit Kabelhalter verwenden, befestigen Sie das Kabel so, dass eine unbeabsichtigte Bewegung nicht am Anschluss der Kamera zieht. Dies könnte das Kabel oder im schlimmsten Fall den Ladeanschluss beschädigen.
Die Reisetasche packen
Mit einem geladenen Ersatzakku können Sie weiter fotografieren, während der andere Akku lädt. Ein kompatibles externes Ladegerät mit USB-Eingang ist praktisch, wenn Sie einen Ersatzakku getrennt von der gerade genutzten Kamera aufladen müssen.
Prüfen Sie die Anforderungen dieses Ladegeräts separat: Sie können sich von denen des USB-Eingangs am Kameragehäuse unterscheiden.
Stellen Sie vor der Reise die gesamte Ausrüstung zusammen und testen Sie sie im Betrieb:
Laden Sie den Akku in der ausgeschalteten Kamera.
Wenn Sie bei der Aufnahme eine externe Stromversorgung benötigen, testen Sie sie mit eingesetztem Akku.
Schließen Sie Laptop und Smartphone an dieselbe Stromquelle an, wenn Sie diese gleichzeitig nutzen möchten.
Prüfen Sie, ob die Stromversorgung der Kamera beim Anschließen oder Entfernen anderer Geräte am Ladeadapter beziehungsweise an der Powerbank unterbrochen wird (Reset-free-Funktion). Das ist besonders für Geräte ohne eigenen Akku wichtig: Eine Unterbrechung führt zu einem Neustart.
Vergewissern Sie sich, dass die benötigten Kabel und der Ersatzakku in der Reisetasche liegen.



